Beispiele aus der Praxis2017-03-07T09:16:15+00:00

Burnout – „jahrelang habe ich gut funktioniert!“

Ein Geschäftsführer (54 J.) kam zu mir in die Praxis. Seit 30 Jahren in der gleichen Firma – 150 Mitarbeiter.  Er sei völlig erschöpft und könne sich nicht mehr konzentrieren. Ständig mache er Fehler, Dinge, die ihm früher leicht von der Hand gingen, fallen ihm immer schwerer. Er zweifelt an sich und werde immer aggressiver. Die Mitarbeiter und seine Familie beschweren sich immer öfters. Schnell wurde deutlich, dass er mehr delegieren muss. Er hat viel zu viel übernommen, da er immer dachte, nur wenn er es mache, werde es auch richtig gemacht. Diese Einstellung musste er verändern. Er hat für sich erkannt, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, abzugeben sondern als Geschäftsführer unbedingt notwendig auch in seiner Funktion als Vorbild. Er hat gelernt Entscheidungen schneller zu treffen und sich von der Angst Fehler zu machen, zu befreien. Über ein Mentaltraining hat er außerdem gelernt, wie er mit negativen Gedanken anders umgehen kann. Wie er Ziele künftig erfolgreich formulieren und wie er mehr Kraft aus seinen Gedanken schöpfen kann. Heute ist er zurück in seinem Unternehmen. Er ist nicht mehr der gleiche wie damals – im Laufe der Therapie hat er gelernt, dass er das auch nicht mehr will! Er geht heute anders mit sich, mit seinen Mitarbeitern und mit seiner Familie um. Die Kraft kam zurück und damit auch wieder die Lebensfreude!

Eine fast unglaubliche Geschichte aus der Praxis

Vor einiger Zeit kam ein älterer Mann zu mir in schwerer Trauer. Er hatte seine geliebte Frau verloren. Fast zeitgleich kam eine Frau zu mir in schwerer Trauer um ihren geliebten Mann. In unabhängigen Gesprächen mit den beiden bemerkte ich immer mehr Ähnlichkeiten und gemeinsame Interessen und beide hatten eben ihren geliebten Partner verloren. Einige Zeit dachte ich mir, lass es, du bist keine Paarvermittlung! Irgendwann konnte ich es nicht mehr lassen und fing an ihm von ihr zu erzählen und ihr von ihm. Was soll ich sagen, die beiden haben sich getroffen und sind heute ein Paar. Sie gehen gemeinsam ihren Weg und sind nicht mehr alleine. Beide sind glücklich – ist das nicht eine wunderbare Begebenheit aus dem Leben? Ich liebe meinen Beruf und denke immer wieder es gibt keine Zufälle!

Die Schneekugel der Großmutter

Eine junge Frau kam zu mir in die Praxis, sie wollte Stärkung und Unterstützung auf ihrem weiteren Weg. Ich habe mit ihr eine Übung gemacht, „die Lösung aus der Tasche“ – dabei nehme ich einen willkürlichen Gegenstand aus meiner Hosentasche, z. B. eine Schraube, einen Stein oder einen Marienkäfer. Dieser Gegenstand soll lediglich eine gedankliche Hilfe sein, um gemeinsame Ideen zu entwickeln. An diesem Tag habe ich aus meiner „Lösungsschublade“ eine kleine Schneekugel geholt, was ich noch nie gemacht hatte. Es war einfach eine spontane Entscheidung. Als ich die Schneekugel der jungen Frau in die Hand gab, war sie sehr gerührt. Was ich nicht wusste, es war ein Ritual zwischen der jungen Frau und ihrer verstorbenen Großmutter. Die Großmutter schenkte ihr lebenslang immer wieder Schneekugeln und war ein wichtiger Mensch im Leben der jungen Frau gewesen. Jetzt war ich auch gerührt. Gemeinsam haben wir den Weg zwischen ihr und ihrer Großmutter verfolgt und geschaut, wie es die Großmutter immer wieder geschafft hat, sie zu stärken und welche Lebensweisheiten sie ihr mitgegeben hatte, die ihr jetzt auch nützlich sein könnten. Es war eine wunderbare Sitzung. Die Patientin hat viel Kraft und Unterstützung mit nach Hause genommen – und die Schneekugel, ich habe sie ihr geschenkt! Das Ziel war erreicht! Die Patientin wollte Stärkung und Unterstützung auf ihrem weiteren Weg! Manche Dinge im Leben können wir nicht erklären – das müssen wir auch nicht. Ich bin mir sicher, es gibt sie, die kleinen Wunder!

Über den „Umweg“ Angst- und Panikattacken

Eine junge Patientin (19 J.) kam mit Angst- und Panikattacken zu mir in die Praxis. Momentan befand sie sich in einer Ausbildung bei einer Bank. Die Attacken waren so schlimm, dass sie nicht mehr zur Arbeit gehen konnte. Sehr schnell stellte sich während der Therapie heraus, dass diese Ausbildung nicht ihr Wunschberuf war. Über gewisse Fragestellungen und verschiedene Übungen zeigte sich, was sie wirklich wollte. Sie wollte Lehrerin werden, also auf Lehramt studieren. So hat sie das Studium durchlaufen und inzwischen erfolgreich zu Ende gebracht. Schon mit der Entscheidung, die Banklehre beenden zu können, gingen auch die Angst- und Panikattacken.  Als Lehrerin ist sie heute glücklich, denn sie hat ihren Beruf(ung) gefunden.

Depression durch Arbeitsplatzverlust

Ein Mann (54 J.) war beruflich tätig in der IT-Branche. Seit Jahren erfolgreich und sich sicher fühlend, ging er selbstbewusst durch sein Leben. Dann traf es ihn und seine Familie wie einen Schlag! Von heute auf morgen hat er seinen Arbeitsplatz verloren. Er war am Boden zerstört. Als er zu mir in die Praxis kam, war er der Meinung in seinem Alter würde er keinen Arbeitsplatz mehr finden. Seine Leben wäre sozusagen „gelaufen“. Gemeinsam haben wir erarbeitet, was er denn alles schon erreicht hat und welche Kenntnise/Fähigkeiten er den mitbringt. So niedergeschlagen wie er war konnte er zuerst seinen Blick nicht mehr darauf richten. Erstes Ziel war es, ihn wieder zu motivieren und sein Selbstbewusstsein aufzubauen. Gemeinsam haben wir dann einen Plan geschmiedet, wie er wieder an einen Job kommen kann. Sehr erfolgreich, denn er war sich seinem wirklichen „Marktwert“ nicht mehr bewusst. Er hat gleich zwei Angebote bekommen und konnte sich einen alten Traum verwirklichen, die Kombination über ein Home-Office!!

Depression als Weg zu sich

Eine Frau (48 J.) kam im depressiven Zustand zu mir in die Praxis. Das Leben machte ihr keine Freude mehr. Es kreisten hauptsächlich negative Gedanken durch den Kopf. Körperlich hatte sie mit Schwindel und Übelkeit zu kämpfen. Durch bestimmte Fragetechniken zeigte sich folgendes: Ihr Mann war beruflich sehr engagiert und die Kinder so langsam „flügge“. Sie wurde also weniger „gebraucht“, darauf war sie nicht wirklich vorbereitet. Sie hatte das Gefühl, es interessiere sich keiner mehr für sie. Durch die Depression, nahmen sich die anderen wieder mehr Zeit, schließlich sorgte sich die Familie. Das konnte jedoch nicht die Lösung sein. Ersteinmal galt es den Zustand zu akzeptieren, denn wer mit zuviel Motivation und positivem Denken versucht die Depression zu vertreiben, erreicht oft ersteinmal das Gegenteil – der Patient fühlt sich unter Umständen noch schlechter. Mit kleinen Schritten z. B. täglich 10 Minuten rausgehen und verschieden anderen Denktechniken, kam langsam wieder „Licht ins Dunkel“. Gemeinsam haben wir Alternativen zum jetzigen Lebensalltag gefunden. Heute arbeitet sie wieder halbtags in einem Beruf, der ihr Freude macht und hat „alte“ Hobbies wiederentdeckt. Die Depression konnte gehen.

Die stille Sprache der Magersucht

Eine junge Frau (18 J.) kam nach mehreren Klinikaufenthalten im Untergewicht/Magersucht zu mir in die Praxis. Durch eine systemische Übung konnten wir erkennen, dass sie sich als „Übermittlerin“ zwischen den getrennten Eltern sah. Die Eltern konnten nicht mehr direkt miteinander sprechen und „beauftragten“ sie Informationen zu übermitteln. Die P. traute sich nicht, die Dinge direkt anzusprechen. Sie war mit der Situation völlig überlastet und konnte „nichts mehr aufnehmen“. Durch gemeinsame Gespräche mit den Eltern konnte die Situation entspannt werden. Die P. wurde aus der Übermittlerposition genommen und fühlte sich nicht mehr verantwortlich. Die P. wurde außerdem angeregt, neue Dinge auszuprobieren, was sie letztlich auch auf den Umgang mit dem Essen übertragen konnte.